Bei der Hauptuntersuchung fallen selten die Autos durch, bei denen man es erwartet. Der Alltagswagen, der jeden Morgen zuverlässig anspringt und geradeaus fährt, kann trotzdem mit einem Mangel im Prüfbericht zurückkommen – wegen einer Bremse, die auf einer Seite schwächer greift, oder einer Glühlampe, die Ihnen nie aufgefallen ist. Das Auto für die Hauptuntersuchung vorzubereiten heißt vor allem, solche unauffälligen Mängel vor dem Prüfer zu entdecken und kleinere, kostengünstige Probleme selbst zu beheben. Diese Checkliste für die Hauptuntersuchung führt Sie durch die wichtigsten Prüfpunkte – in der Reihenfolge, in der sich der Aufwand am meisten lohnt – und zeigt einen Fehler in letzter Minute, an dem völlig gesunde Autos scheitern. In Deutschland läuft die Prüfung als Hauptuntersuchung (HU), oft einfach TÜV genannt; im übrigen Europa heißt sie anders (MOT in Großbritannien, contrôle technique in Frankreich), doch die Prüfpunkte dahinter sind weitgehend dieselben.
Schnellcheck vor der Fahrt zur Prüfstelle
Wenig Zeit? Gehen Sie zuerst das hier durch:
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Bei laufendem Motor einmal ums Auto gehen und alle Leuchten prüfen: Abblend- und Fernlicht, Blinker, Bremslicht und Kennzeichenbeleuchtung.
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Reifenprofil prüfen (mindestens 1,6 mm) und den Reifendruck auf die Werte am Türrahmen einstellen.
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Wischwasser auffüllen und darauf achten, dass die Wischerblätter nicht schmieren.
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Unter dem Auto nach frischen Öl- oder Kühlmittelflecken schauen.
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In den Tagen davor keine Warnleuchte löschen und die Batterie nicht abklemmen – warum, steht weiter unten.
Warum ein Auto durchfallen kann, das einwandfrei fährt
Die Hauptuntersuchung misst Dinge, die Sie vom Fahrersitz aus nicht spüren. Der Bremsenprüfstand erfasst jedes Rad einzeln, sodass auffällt, wenn eine Seite schwächer greift als die andere – selbst wenn sich das Bremsen normal anfühlt. Bei Spiel im Fahrwerk, der Scheinwerfereinstellung und den Abgaswerten ist es genauso: klein, schleichend und unsichtbar, bis ein Messgerät eine Zahl daraus macht. Genau darum geht es bei der Vorbereitung auf die Hauptuntersuchung. Sie wollen die messbaren Mängel früh finden, solange noch Zeit bleibt, sie zu beheben. Nehmen Sie sich lieber eine Woche als nur einen Morgen, damit Sie bei Bedarf ein Ersatzteil bestellen können.
Zuerst die häufigen Mängel beheben: Beleuchtung und Reifen
Die meisten Autos fallen wegen kleiner Mängel durch, die sich günstig beheben lassen. Beleuchtung und Reifen stehen auf jeder Liste der Prüfpunkte ganz oben, und beides lässt sich an einem Nachmittag erledigen.
Beginnen Sie mit der Beleuchtung. Prüfen Sie bei laufendem Motor Abblend- und Fernlicht, beide Blinker, das Bremslicht, den Rückfahrscheinwerfer, die Nebelscheinwerfer und die Kennzeichenbeleuchtung. Eine einzige defekte Glühlampe ist ein Mangel, und zwar der häufigste überhaupt. Wenn ein Scheinwerfer getauscht wurde oder das Auto vorne repariert wurde, lassen Sie zusätzlich die Scheinwerfereinstellung prüfen: Ein zu hoch eingestellter Lichtkegel blendet den Gegenverkehr und führt bei der Einstellprüfung zum Mangel.
Dann die Reifen. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt in der EU bei 1,6 mm, wobei der Grip schon deutlich früher nachlässt – viele Reifenhersteller empfehlen deshalb, bereits bei rund 3 mm zu wechseln. Prüfen Sie das Profil an mehreren Stellen rund um jeden Reifen und achten Sie auf Risse, Beulen oder Schäden an der Flanke. Jeder dieser Schäden kann bereits für sich zum Nichtbestehen der Hauptuntersuchung führen. Stellen Sie den Reifendruck auf die Werte am Türrahmen oder an der Tankklappe ein. Ungleichmäßigen Verschleiß sollten Sie nicht ignorieren, sondern ernst nehmen: Eine einseitig abgefahrene Kante deutet meist auf die Spureinstellung oder ein verschlissenes Fahrwerk hin, und beides ist teurer in der Reparatur. Wenn Sie zwischen Sommer- und Winterreifen wechseln, erklärt unser Ratgeber zum Fahren mit Winterreifen im Sommer, was das mit Ihrem verbleibenden Profil macht.
Die teuren Prüfpunkte: Bremsen, Fahrwerk und Undichtigkeiten
Das sind die Mängel, für die sich eine fachmännische Prüfung lohnt, denn sie lassen sich schwerer nach Gefühl beurteilen und werden teuer, wenn man sie spät entdeckt.
Die Bremsen sind das klassische Beispiel. Belag- und Scheibenstärke sind wichtig, aber der Mangel, der viele überrascht, ist die ungleiche Bremswirkung: Ein Rad greift stärker als das gegenüberliegende an derselben Achse, meist wegen eines festsitzenden Bremssattels und nicht wegen abgefahrener Beläge. Auf dem Prüfstand fällt das auf, obwohl das Auto beim Bremsen scheinbar sauber geradeaus zum Stehen kommt. Schleifgeräusche, Vibrationen im Pedal oder ein Ziehen zur Seite sollten Sie alle vor dem Termin prüfen. Achten Sie außerdem darauf, dass die Feststellbremse am Hang hält.
Mängel an Fahrwerk und Lenkung schleichen sich genauso unbemerkt ein. Poltern über Bodenwellen, ein Lenkrad, das nicht von selbst zurückläuft, oder ein Auto, das die Spur nicht hält, deuten alle auf verschlissene Teile hin: Traggelenke, Spurstangenköpfe, Buchsen, Radlager oder Stoßdämpfer. Man gewöhnt sich langsam daran und nimmt es irgendwann nicht mehr wahr. Stoßdämpfer und Lenkungsspiel zu prüfen ist für eine Werkstatt schnell erledigt, und ein verschlissenes Fahrwerk ist ein häufiger Grund für einen nicht bestandenen Test.
Ein Fleck unter dem Auto ist ein Hinweis, kein Urteil. Motoröl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit und Servoöl hinterlassen jeweils eine andere Farbe, und eine aktiv austretende Bremsflüssigkeit ist ein sofortiger sicherheitsrelevanter Mangel. Merken Sie sich, wo der Tropfen landet und ob der Füllstand gesunken ist. Den Motorraum zu reinigen verdeckt die Spuren, ohne die Ursache zu berühren – kümmern Sie sich also um die Undichtigkeit selbst.
Warnleuchten und der Fehler, an dem ein gesundes Auto scheitert
Das ist der Punkt, den die meisten Checklisten auslassen. Eine dauerhaft leuchtende Motorkontrollleuchte führt über die OBD-gestützte Abgasuntersuchung zum Nichtbestehen, und auch eine ABS- oder Airbag-Warnleuchte gilt bei der Hauptuntersuchung als Mangel. Der Prüfer liest den Fehlerspeicher direkt aus und verlässt sich nicht allein auf das Armaturenbrett – ein gespeicherter Fehler zählt selbst dann, wenn die Lampe gerade nicht brennt. Die naheliegende Reaktion – den Fehlerspeicher löschen, damit die Leuchte ausgeht – ist genau der Schritt, der nach hinten losgeht.
Wenn Sie den Fehlerspeicher löschen oder die Batterie abklemmen, springen die Selbsttests des Autos, die sogenannten Readiness-Monitore, auf „nicht bereit“ zurück. Die Warnleuchte ist anschließend zwar aus, aber das Prüfsystem sieht, dass diese Selbsttests nicht durchgelaufen sind. Mit dem Status „nicht bereit“ lässt sich die Abgasuntersuchung nicht ohne Weiteres abschließen, und das bremst Sie genauso aus wie eine brennende Leuchte. Diese Tests laufen erst vollständig durch, wenn das Auto einen kompletten Fahrzyklus absolviert hat, und dafür zählen vor allem die Fahrbedingungen: ein Kaltstart, etwas Stadtverkehr und ein Stück gleichmäßige Autobahnfahrt tragen jeweils dazu bei. Als grobe Faustregel sind das mehrere Tage normaler Nutzung oder rund 50 bis 100 km gemischtes Fahren, nicht eine einzige lange Strecke. Wenn also eine Warnleuchte an ist, beheben Sie die eigentliche Ursache und fahren Sie das Auto danach eine Woche lang normal, bevor Sie zur Prüfung fahren. Eine Diagnose zwei Wochen vorher zeigt Ihnen, was wirklich nicht stimmt; ein gelöschter Fehlerspeicher am Vorabend verbirgt nur die Hinweise, nach denen der Prüfer sucht.
Sicht, Abgas und die Kleinigkeiten, die man vergisst
Ein Schaden an der Windschutzscheibe im Sichtfeld des Fahrers führt selbst dann zum Durchfallen, wenn er klein ist, denn die Lage zählt mehr als die Größe. Ein Steinschlag direkt vor dem Lenkrad ist schlimmer als ein größerer unten in der Ecke. Die Wischer müssen die Scheibe ohne Schlieren reinigen, und die Scheibenwaschanlage muss funktionieren. Auch von innen beschlagene Scheiben gehen zulasten der klaren Sicht; wenn Ihr Auto stark beschlägt, erklärt unser Ratgeber, wie Sie beschlagene Scheiben von innen loswerden, die Ursachen und die Lösungen.
Weiter zum Auspuff. Achten Sie auf ein Zischen oder ungewohnte Geräusche und auf ungewöhnlichen Rauch. Blau, schwarz oder dickes Weiß deuten alle auf ein Problem mit Verbrennung, Turbolader oder Filter hin, das die Abgasuntersuchung erkennt. Eine kurze Fahrt mit hoher Drehzahl löst das Problem bei einem rauchenden Fahrzeug oder einem ständig regenerierenden Partikelfilter nicht.
Dann die Kleinigkeiten, die man leicht überspringt: ein leerer Wischwasserbehälter und verschlissene Wischerblätter. Prüfen Sie bei der Gelegenheit auch Hupe, Sicherheitsgurte und Spiegel. Ein leicht zu übersehender Sicherheitspunkt ist der Fußraum des Fahrers. Eine lose oder schlecht sitzende Matte, die nach vorn rutscht, kann die Pedale behindern – eine echte Gefahr und etwas, das ein Prüfer vermerken kann. Eine gut sitzende Matte, die an ihrem Platz bleibt, entschärft das Risiko. Automatten aus EVA-Material liegen sicher im Fußraum und verringern die Gefahr, dass die Matte nach vorn in den Pedalbereich rutscht. Es ist außerdem ein guter Moment, um zu prüfen, ob Ihre gesetzlich vorgeschriebene Ausrüstung vollständig ist; hier finden Sie die Sicherheitsausrüstung, die Sie bei Fahrten in der EU dabeihaben müssen.
Was passiert, wenn Ihr Auto durchfällt

Ein Nichtbestehen ist kein Weltuntergang. Die meisten Prüfungen teilen das Ergebnis in Kategorien ein: ohne Mängel, geringe Mängel, die notiert werden und die Sie zeitnah beheben sollten, sowie erhebliche oder gefährliche Mängel, die ein Nichtbestehen bedeuten. Ein gefährlicher Mangel heißt, dass das Auto nicht mehr gefahren werden sollte, bis es repariert ist; bei geringen Mängeln ist dagegen in der Regel keine Nachuntersuchung erforderlich. Bei erheblichen Mängeln haben Sie in der Regel einen Monat Zeit für die Nachuntersuchung, um die aufgeführten Punkte zu beheben und das Auto erneut vorzuführen, oft zu einem reduzierten Preis, wenn Sie schnell zurückkommen. Bewahren Sie den Prüfbericht auf, beheben Sie genau das, was darin steht, und führen Sie das Auto erneut vor. Genau deshalb lohnt sich ein früher Start: Ein Mangel, den Sie nach Ihrem eigenen Zeitplan finden, ist eine Reparatur, während derselbe Mangel am Prüftag eine vergebliche Fahrt ist.
Häufige Fragen
Was wird bei der Hauptuntersuchung geprüft?
Die wichtigsten Bereiche sind Bremsen, Reifen, Beleuchtung, Lenkung und Fahrwerk, Undichtigkeiten, Windschutzscheibe und Sicht, Sicherheitsgurte, Auspuff und Abgaswerte sowie die Warnleuchten im Armaturenbrett. Der Prüfer kontrolliert, ob das Auto die grundlegenden Sicherheits- und Umweltanforderungen erfüllt, nicht, ob es in tadellosem Zustand ist.
Was kann dazu führen, dass ein Auto durch die Hauptuntersuchung fällt?
Die häufigsten Ursachen sind eine defekte Glühlampe, abgefahrene oder beschädigte Reifen, ungleiche Bremswirkung, eine leuchtende Warnleuchte, Fahrwerksverschleiß und Undichtigkeiten. An kleinen, günstigen Mängeln fallen mehr Autos durch als an großen mechanischen.
Kann eine leuchtende Motorkontrollleuchte zum Durchfallen führen?
Ja. Bei modernen Autos liest der Prüfer den Bordcomputer aus, daher führt eine leuchtende Motor-, ABS- oder Airbag-Leuchte meist zum Durchfallen. Den Fehler kurz vorher zu löschen hilft nicht, weil das die Readiness-Monitore zurücksetzt und das System sieht, dass sie nicht durchgelaufen sind.
Können beschädigte Reifen zum Durchfallen führen?
Ja. Ein Profil unter 1,6 mm, Risse, Beulen oder Schäden an der Flanke sind alles Mängel, und ungleiche Reifen auf derselben Achse können es ebenfalls sein. Prüfen Sie alle vier, auch die hinteren.
Wie lange dauert eine Hauptuntersuchung?
Die Prüfung selbst geht meist recht schnell, oft unter einer Stunde, aber die rechtzeitige Vorbereitung erspart Ihnen den zweiten Termin. Machen Sie Ihren eigenen Check vor der Hauptuntersuchung etwa eine Woche vorher, damit Zeit bleibt, alles Gefundene zu beheben.
Wie oft muss ein Auto zur Hauptuntersuchung?
In Deutschland muss ein Neuwagen zum ersten Mal nach drei Jahren zur Hauptuntersuchung, danach alle zwei Jahre. In anderen EU-Ländern gelten teils andere Intervalle – maßgeblich sind die Regeln des Landes, in dem das Auto zugelassen ist.
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